Beziehungspause: was sie wirklich bringt und wie ihr sie richtig macht

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Mal ehrlich: Hast du auch schon mal überlegt, ob eine Beziehungspause nicht die elegante Version von „Ich will Schluss machen, hab aber nicht den Mut dazu“ ist? Du sitzt da, genärvt von deinem Partner, und fragst dich, ob es nicht besser wäre, einfach mal auf Pause zu drücken. 

Das ist eine sehr menschliche Frage. Weil eine Beziehungspause genau das verspricht: Abstand, ohne sich entscheiden zu müssen. Luft holen, ohne loszulassen. Nur: So einfach ist es meistens nicht. 

In meiner Praxis begegnen mir Paare, die eine Beziehungspause hinter sich haben, und Paare, die gerade darüber nachdenken. Beides führt zu denselben Fragen: Was wollen wir damit erreichen? Wissen wir das überhaupt? 

Was eine Beziehungspause wirklich ist

Eine Beziehungspause ist eine bewusste Auszeit vom gemeinsamen Alltag. Kein Schlussstrich, aber auch kein Weiter-wie-bisher. Manche Paare nutzen sie, um Abstand zu gewinnen, wenn alles zu eng geworden ist. Andere, um herauszufinden, ob sie den anderen überhaupt vermissen. Wieder andere, weil sie nicht wissen, was sie sonst noch tun sollen. 

Das Problem liegt oft darin, dass beide etwas anderes darunter verstehen. Er denkt, es ist eine kurze Auszeit, nach der man frisch und klar wieder zusammenkommt. Sie denkt insgeheim, dass es vielleicht schon fast eine Trennung ist. Wenn das nicht geklärt wird, bevor die Pause beginnt, entsteht danach meistens mehr Schmerz als vorher. 

Nina (38) und Jonas (41) kamen zu mir, nachdem sie eine sechswöchige Beziehungspause hinter sich hatten. Beide hatten gedacht, die Zeit würde Klarheit bringen. Stattdessen hatten beide sechs Wochen lang gerätselt, was der andere gerade denkt und fühlt. Als sie sich wieder trafen, waren sie verwirrter als vorher. 

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Wann eine Beziehungspause Sinn macht

Eine Beziehungspause macht Sinn, wenn beide wirklich Abstand brauchen, um klarer zu werden. Nicht um den anderen zu bestrafen, nicht um Zeit zu schinden, sondern weil man im gemeinsamen Alltag nicht mehr zur Ruhe kommt, um die eigenen Gefühle überhaupt zu hören. 

Sie macht weniger Sinn, wenn sie als Druckmittel eingesetzt wird. Wenn einer sagt: „Ich brauche eine Pause“ und der andere hört: „Ich will, dass du Angst hast, mich zu verlieren.“ Das ist keine Pause. Das ist ein Machtkampf mit einem anderen Namen. 

Sie macht auch weniger Sinn, wenn das eigentliche Problem nicht angeschaut wird. Eine Pause löst keine Konflikte. Sie schiebt sie auf. Wer danach wieder zusammenkommt, ohne über das gesprochen zu haben, was zur Pause geführt hat, steht nach ein paar Wochen wieder an derselben Stelle. 

Wie eine Beziehungspause funktioniert

Was Nina und Jonas gefehlt hatte, waren klare Abmachungen. Bevor eine Beziehungspause beginnt, müssen beide wissen, was diese Zeit bedeutet und was sie nicht bedeutet. 

Das fängt mit dem Zeitrahmen an. Eine Pause ohne Ende ist keine Pause, das ist eine schleichende Trennung. Ein konkreter Zeitpunkt, zu dem man sich wieder zusammensetzt, gibt beiden Orientierung. Nicht um dann sofort zu entscheiden, sondern um überhaupt wieder in Kontakt zu kommen. 

Dann braucht es Klarheit über den Kontakt. Darf man sich schreiben? Anrufen? Treffen? Was ist während dieser Zeit mit anderen Menschen? Das sind keine romantischen Fragen, aber ohne Antworten entstehen Verletzungen, die hinterher schwer zu erklären sind. 

Und dann, das Wichtigste: Was soll jeder in dieser Zeit wirklich tun? Nicht abwarten. Nicht hoffen. Hinschauen. Was hat mich in diese Situation gebracht? Was brauche ich? Was möchte ich? Nina hat mir später erzählt, dass sie in den sechs Wochen vor allem über Jonas nachgedacht hatte. Was ihn störte, was er brauchte, ob er zurückkommen würde. Was sie über sich selbst gedacht hatte: fast gar nichts. Das war der eigentliche Fehler. 

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Nach der Beziehungspause: zurück oder Trennung?

Am Ende einer Beziehungspause steht ein Gespräch. Nicht sofort eine Entscheidung, aber ein ehrliches Gespräch darüber, was jeder während dieser Zeit über sich und die Beziehung verstanden hat. 

Wenn beide spüren, dass da noch etwas ist, das sich lohnt, dann beginnt jetzt die eigentliche Arbeit. Nicht das Weiter-wie-bisher, sondern das ehrliche Hinschauen, was zur Pause geführt hat und wie es anders werden kann. Das braucht meistens mehr als guten Willen. Es braucht Gespräche, die tiefer gehen als „Wie war deine Woche?“ 

Wenn einer der beiden merkt, dass die Pause Erleichterung gebracht hat, und zwar nicht die Erleichterung des Abstands, sondern die Erleichterung, allein zu sein, dann ist das auch eine Antwort. Keine leichte. Aber eine ehrliche. 

Nina und Jonas sind zusammengeblieben. Aber erst nachdem sie das Gespräch geführt hatten, das sie vor der Pause nie geführt hatten. Die Pause hatte ihnen nicht die Klarheit gebracht. Das Gespräch danach schon. 

Wer dabei Unterstützung sucht, wieder ins Gespräch zu finden, findet in meinem Kurs Raus aus dem Schweigen einen guten Einstieg. 

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Zum Schluss

Eine Beziehungspause ist weder die Lösung noch das Ende. Sie ist eine Möglichkeit, Abstand zu gewinnen, wenn alles zu eng geworden ist. Was daraus wird, hängt davon ab, was beide mit dieser Zeit machen. 

Die ehrlichste Frage vor einer Beziehungspause lautet nicht: Sollen wir das machen? Sie lautet: Was wollen wir damit wirklich erreichen? Wer diese Frage nicht beantworten kann, sollte erst recht nicht auf Pause drücken. 

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