Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird

Ihre Kinder sind in einem Alter, in dem sie endlich allein schlafen, das nächtliche Kuscheln und das Bedürfnis nach Nähe sind weniger geworden. Auf einmal liegen Sie mit Ihrem Partner nach langer Zeit wieder allein im Bett. Und jetzt?

Warum schlafen Kinder im Elternbett?

Die Gründe, warum Kinder ihren Platz im Elternbett finden, sind genauso unterschiedlich wie jede Familie, deren Wertvorstellungen und jede Paarbeziehung.

Oftmals ziehen die Kinder kurz nach der Geburt mit ins Elternbett. Die Liebeshöhle wird in ein Familienbett umgewandelt, weil es einfach praktisch ist. Der am Häufigsten genannte Grund ist dabei, dass die Mutter für das Stillen nicht mehrmals in der Nacht aufstehen möchte. So kann sie die wenige Zeit, die ihr zum Schlafen zur Verfügung steht, uneingeschränkter nutzen.

Es kann aber auch sein, dass das Kind selbst nachts lieber bei den Eltern schlafen möchte. Dies kann aus Angst vor der Dunkelheit oder vorm Alleinsein oder aus Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit der Fall sein. Oder einfach, weil das Bett von Mama und Papa natürlich viel kuscheliger ist.

Wie lange die Kinder das Ehebett zum Familienbetrieb umfunktionieren, ist unterschiedlich und abhängig davon, wie es für die Eltern stimmt.

Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird

Was passiert mit dem Liebespaar?

Das Erleben von Lust und Leidenschaft verändert sich im Laufe einer Partnerschaft. Dies ist mit oder ohne Kinder ein natürlicher Prozess. Der Wunsch ist immer, dass am besten alles so bleibt, wie es ist. Jede Form der Veränderung macht zunächst Angst und verunsichert. Häufig wird aber die Sexualität in der Beziehung nach der Geburt eines Kindes weniger, da Erotik und Zweisamkeit nur noch wenig Platz im Alltag haben. Es fehlt an Zeit, Gelegenheit und auch an der nötigen Ruhe, sich auf partnerschaftliche Nähe einzulassen. Der Fokus hat sich verschoben und das Kind steht mehrheitlich im Mittelpunkt. Wenn das Kind dann mit ins Ehebett zieht, verliert das Paar zusätzlich einen (vielleicht den letzten) intimen Ort der Zweisamkeit. Es ist schwierig, sich zwischen den Rollen Mutter/Frau und Vater/Mann zu finden und dann schnell hin- und herwechseln zu können. Viele Frauen verlieren sich selber aus dem Auge, erfüllen Tag und Nacht das Bedürfnis der Kinder nach Nähe und haben dann für sich und die Partnerschaft nur noch wenig Reserven und Kapazität.

Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird
Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird

Irgendwann ist es dann aber soweit: Die Kinder fliegen aus und schlafen im eigenen Bett. Auf einmal haben Sie Platz, können sich ausstrecken und haben eine Decke für sich ganz allein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird das unausgesprochene Gefühl ganz deutlich, dass jetzt wieder mehr Platz für sexuelle Nähe vorhanden wäre. Das Thema ist da, steht mitten im Raum. Bleibt es unausgesprochen, raubt es oftmals die Möglichkeit, sich dem Gegenüber zu öffnen und Nähe zu zulassen.

Darf man in dieser Situation sagen, dass Sie nun gar keine Lust auf Sex haben, auch wenn Sie zu zweit ohne Kinder im Bett liegen? Dass Sie eigentlich nur den Platz und die Weite des riesig erscheinenden Ehebettes geniessen wollen? Sich in Ruhe (und mit angeschaltetem Licht!) müde lesen oder Musik hören wollen oder einfach mal für sich sein? Darf man sagen, dass Sie die neu gewonnene Freiheit, den eigenen Körper nur für sich zu haben, geniessen und auskosten wollen? Darf man sagen, dass jede Umarmung ihres Mannes sich nach einer Aufforderung zum Sex anfühlt?

Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird

Sie dürfen!

Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mit Ihrem Partner genau diese Themen anzuschauen. Dies ist der Moment, um Ihre Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen und gemeinsam zu entscheiden, wie die zurück erlangte Freiheit genutzt werden soll und was sie in jedem von Ihnen auslöst. Vieles von dem, was Sie fühlen, könnte auch eine eigene Interpretation sein. Solange Sie Ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse nicht be- und aussprechen, weiss keiner von Ihnen, wo der andere auf emotionaler Ebene steht.

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Zeit im Bett zu zweit

Wenn Sie sich für ein Gespräch entscheiden, könnte Folgendes hilfreich sein:

Vereinbaren Sie feste Zeitoasen, die Sie als Paar im Bett verbringen. Dabei geht es nicht darum, Sex zu haben, sondern sich Zeit für Intimität zu reservieren. Vielleicht lesen Sie gemeinsam, spielen Karten oder besprechen in einer liebevollen Umarmung den Tag.

Reservieren Sie sich Me-Time für sich und Ihre neu gewonnene Freiheit im Bett. Überlegen Sie, welches Ritual sich gut anfühlt und umsetzbar ist. Vielleicht lesen Sie gerne, hören abends einen Podcast oder schreiben über Ihren Tag?

Erlauben Sie sich, Ihre Lust zu zeigen und auszusprechen. Vielleicht spüren Sie gelegentlich ein Kribbeln im Genitalbereich? Dann geben Sie diesem Gefühl Raum und schauen, was passiert. Genauso erlauben Sie es sich, einfach aneinander gekuschelt zu liegen. Finden Sie Worte und besprechen Sie, was ein «Nein» des Partners bedeutet und wie Sie gemeinsam damit umgehen wollen.

 

Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird

Starten Sie nicht von null auf hundert, sondern probieren Sie sich aus. Schauen Sie, was auf Ihre sexuelle Wunschliste darf, egal ob neu oder bekannt.

Es gibt ganz viele Möglichkeiten, Liebe zu machen und sich auch ohne Sex wieder nah zu sein. Dies können geteilte Erinnerungen sein, sich wieder mal leidenschaftlich zu küssen, gemeinsame Schaumbäder, Massagen oder gemeinsam Pläne zu schmieden.

Wenn Sie mehr als 2 Jahre keinen Sex mehr hatten

Für die gemeinsame Sexualität sind beide Partner zu gleichen Teilen verantwortlich. Wenn einer oder beide sich nicht mehr auf Sexualität einlassen können, sollten Sie überlegen, woran dies liegen könnte. Dabei muss jeder der Partner auf sich selbst schauen, damit er dann auch seinen Teil für die Beziehung leisten kann.

In einer Sexualtherapie erhalten Sie professionelle Unterstützung, um wieder ins Spüren zu kommen und Blockaden zu überwinden. Sie bekommen Hilfe dabei, Ihre Wünsche und Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen und sich als Paar wieder zu finden. In Übungen werden Sie angeleitet, Ängste vor körperlicher Intimität abzubauen, Versagensängste zu bewältigen, Sexualmythen und negativen Erwartungen aufzulösen. Sie erlangen somit wieder Vertrauen in sich selbst, in den Partner und in Ihr eigenes körperliches Erleben.

Wenn das Elternbett zur kinderfreien Zone wird

Fazit

Es ist normal, dass in bestimmten Lebensphasen die Sexualität und Intimität einen anderen Stellenwert in der Beziehung bekommt. Für eine erfüllende Partnerschaft braucht es meines Erachtens von allem etwas: Dass Sie sich als Elternteam gut verstehen und funktionieren und sich als Paar nicht aus den Augen verlieren. Dazu benötigen Sie wertvolle Gespräche und Vertrauen in sich und den anderen, aber auch Intimität, emotionale Nähe und Sexualität. Die Mischung macht’s.

Wo stehen Sie im Moment? Wird Ihr Ehebett noch von Drittpersonen eingenommen oder sind Sie schon beim nächsten Schritt? Viel Erfolg bei der Rück-Eroberung Ihres gemeinsamen Rückzugsortes!

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