Slow Sex – Sexualität geniessen lernen

Höher, schneller, grösser. Ausgefallen, spontan, heiss. Bitte etwas von allem – aber Hauptsache, die Leistung stimmt? Zu hohe Erwartungen an das Sexleben zu haben, kann diesem ganz schön zusetzen. Nicht nur der Partner steht unter Druck, sondern man nimmt sich selbst den Spass und lässt sich nicht mehr fallen, weil man den Kopf nicht ausschalten kann und sich ständig übertreffen will.

Ganz genau darum geht es beim Slow Sex nicht. Hier geht es um Genuss, Leichtigkeit, sich nah zu sein und einen Raum von Begegnung zu ermöglichen.
Slow Sex ist schon seit einigen Jahren Trend. Bei Slow Sex, der vor allem von Diana Richardson geprägt wurde, geht es darum, sich zu lieben. Richardson und ihr Mann geben Workshops zu diesem Thema und haben 2013 einen Film (Slow Sex – Wie Sex glücklich macht) gedreht, der 2013 sogar einen Filmpreis gewonnen hat.

Slow Sex bedeutet nicht einfach nur, langsamer Sex zu machen, sondern den Moment zu zweit zu geniessen und wirklich alles daran auszukosten. Dem eigenen und dem Körper des Anderen volle Aufmerksamkeit zu schenken – und zwar jeden Augenblick des Akts, unabhängig vom gewohnten Ablauf. Es geht dabei um Hingabe ohne Forderung, anwesend und bei sich selbst zu bleiben und zu spüren, was jetzt richtig guttut, losgelöst von dem Gedanken, was der andere sich gerade wünscht.

7 Tipps, damit Slow Sex gelingt

1 Im ersten Schritt geht es darum, ein Gespür fürs Fühlen zu bekommen und eine Verbindung zum eigenen Körper herzustellen. Das gelingt etwas einfacher, wenn Sie sich gerade hinsetzen und langsam in den Bauch atmen. Gedanken dürfen sich frei bewegen und dürfen losgelassen werden. Nicht der Orgasmus ist das Ziel, sondern der Weg. Alles darf sein und eröffnet dadurch neue Perspektiven und Erfahrungen miteinander.

2 Während Sie sich auf sich selbst fokussieren, berühren und erkunden Sie Ihren eigenen Körper, variieren Sie in Stärke, Schnelligkeit und Intensität. Probieren Sie aus, wie Ihr Körper auf verschiedene Berührungen reagiert und wovon er mehr mag. Auch hier ist ein Orgasmus zwar «nice to have», aber nicht der Zweck der Übung. Sie sollen Ihren Körper vor allem besser kennenlernen.

3 Im nächsten Schritt geht es darum, sich nah zu sein und den Körper des anderen zu erforschen. Streicheln Sie die Haut ganz langsam, als wäre es eine unbekannte Region, die Sie vermessen und erkunden dürfen. Schenken Sie sanfte Massagen und zärtliche Küsse und wenn Sie denken, Sie seien langsam, schalten Sie trotzdem noch einen weiteren Gang runter und reduzieren Sie das Tempo. Mit der Langsamkeit eröffnet sich die Möglichkeit, viel mehr des anderen Körpers und die entsprechende Reaktion wahrzunehmen. Atmen Sie langsam und in den Bauch, das ermöglicht Ihnen, mehr zu spüren und tiefer in das Erlebnis einzutauchen.

4 Slow Sex wird auch von Worten getragen und macht das Zusammensein noch etwas intensiver. Sagen Sie Ihrem Partner, was Sie an ihm lieben und schätzen und schauen Sie sich dabei in die Augen. Das verbindet auf einer tiefen Ebene. Melden Sie zurück, was Ihnen gefällt oder nicht – übernehmen Sie Verantwortung für sich, Ihren Körper und Ihre Bedürfnisse.

5 Slow Sex ist auf der Basis des Tantra und des Taoismus entstanden, dabei gibt es verschiedene Sexstellungen und Berührungen. Es geht bei den Berührungen aber nicht um Erregung und auch nicht um alte, bekannte Schemata, die Sie in Sachen Sexualität bereits kennen. Sie dürfen und sollen sich streicheln und auch  Vagina sowie Penis berühren. Erregung spielt dabei keine Rolle, denn der Körper soll sich im Wesentlichen entspannen.

6 In der Phase, in der Sie sich als Liebende vereinen, wird dies nur mit wenigen Stossbewegungen gemacht. Dies wird auch weiche Penetration genannt, da der Penis nicht steif sein muss – das heisst, es geht ohne Erektion und nennt sich darum weiche Penetration. Slow Sex geht am besten in der Löffelchenstellung und der Scherenstellung, denn so kann der Penis auch ohne Erektion in der Vagina bleiben. Grundsätzlich ist aber jede Stellung geeignet, denn man kann durch das verlangsamte Tempo und das erhöhte Bewusstsein überall viel spüren.

7 In der Abschlussphase geht es darum, das gemeinsam Erlebte langsam ausklingen zu lassen und die Nähe und Verbundenheit zu geniessen. Danach verabschieden sich beide Partner ganz bewusst voneinander und bedanken sich für die gemeinsame Erfahrung und das Geschenk des anderen.

Eignet sich Slow Sex für alle?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Denn Slow Sex ist eine Form von Sexualität, die die bisher gelebte Sexualität nicht ausschliesst, sondern die eigenen Möglichkeiten und den eigenen Handlungsspielraum erweitert. Sie büssen nichts von der Sexualität ein, die Sie schätzen, lieben und geniessen, sondern ergänzen diese um viel Neues, das als weitere, zusätzliche Erfahrung bleibt. Sie erweitern also nur Ihr Repertoire.

Slow Sex ist zudem hilfreich und wirkt unterstützend, wenn Sie beim Sex Mühe haben abzuschalten oder selten beziehungsweise noch nie einen Orgasmus hatten, weil es für Sie immer schwer war, sich auf Sex einzulassen oder sich fallen zu lassen. Und auch wenn Masturbation ein Thema bei Ihnen ist, das zunehmend unbefriedigender wird und nicht mehr erfüllend ist, wenn Sie sich beruflich oder privat in einer stressigen Situation befinden (Elternschaft, Erkrankung, Arbeitsstress, Jobverlust etc.) oder wenn Sie einfach aufgrund des Erfolgsdrucks beim Sex, Ihre Erektion nicht halten können. Slow Sex ist ein Weg, sich wieder bewusster, ohne Druck und ohne Ziel gegenseitig neu erkunden und geniessen zu können und eventuelle Ängste abzulegen.

Fazit

Beim Slow Sex geht es um langsamere und achtsamere Sexualität und darum, sich und den Partner gemeinsam zu erleben und zu erforschen. Dabei entstehen Nähe, Verbundenheit und Intimität. Alles wichtige Elemente, um sich in einer Beziehung wohlzufühlen. Wer sich und dem Partner diese Zeit schenkt, wird belohnt. Probieren Sie es aus!

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