Du Arschloch: wenn sich der Respekt in der Beziehung verabschiedet

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Es fängt meistens nicht mit einem grossen Knall an. Es fängt mit einem Augenrollen an. Mit einem sarkastischen Kommentar, der ein bisschen zu scharf war. Mit einem Schweigen, das länger dauert als es sollte. Und irgendwann, ohne dass man genau sagen könnte wann, sitzen zwei Menschen an einem Tisch und reden miteinander so, wie sie nie mit einem Fremden reden würden. 

Ute (45) und Flo (53) sind seit 21 Jahren verheiratet. Sie haben zwei fast erwachsene Kinder, einen gemeinsamen Freundeskreis und ein Leben aufgebaut, das nach aussen hin harmonisch wirkt. Doch eines Abends, Flo sitzt am Laptop, Ute versucht ihn auf den anstehenden Urlaub anzusprechen, er murmelt nur „Jaja“, platzt ihr der Kragen. Sie schreit: „Du bist ein verdammter Egoist!“ Er wirft zurück: „Du bist echt eine Zicke.“ Danach herrscht eisiges Schweigen. 

Beide sind erschöpft, verletzt und beschämt. Beide wissen, dass das nicht das erste Mal war. Respektlosigkeit in der Beziehung kommt selten plötzlich. Sie schleicht sich ein. 

Respektlosigkeit in der Beziehung: die vier apokalyptischen Reiter nach Gottman

Der Paartherapeut John Gottman hat vier Verhaltensweisen beschrieben, die er die „vier apokalyptischen Reiter“ nennt. Sie zeigen, wie Respektlosigkeit in der Beziehung entsteht und sich festigt, so langsam, dass man es kaum bemerkt, bis sie sich tief in den Alltag eingegraben haben. 

Der erste Reiter ist Kritik, die über eine konkrete Beschwerde hinausgeht und zur Persönlichkeit des anderen wird. Nicht „Das Geschirr steht noch“, sondern „Du machst nie etwas im Haushalt.“ Bei Ute und Flo hat das schleichend begonnen. Er wirft ihr vor, immer unzufrieden zu sein. Sie ihm, egoistisch und desinteressiert. Keiner spricht mehr über das konkrete Verhalten. Beide sprechen über den anderen als Person. 

Der zweite Reiter ist Verachtung. Sarkasmus, Augenrollen, herabwürdigende Kommentare. Flo verdreht die Augen, wenn Ute spricht. Sie reagiert mit spitzen Bemerkungen: „Hättest du mal was im Haushalt getan, wüsstest du, was Arbeit ist.“ Verachtung ist der gefährlichste der vier Reiter, weil sie sagt: Ich nehme dich nicht mehr ernst. Das spürt man. Und es hinterlässt Spuren. 

Der dritte Reiter ist Abwehrhaltung. Sobald ein Konflikt aufkommt, gehen beide automatisch in die Verteidigung. Ute fühlt sich im Stich gelassen, Flo glaubt, sie übertreibe. Keiner hört dem anderen wirklich zu. Jeder wartet nur darauf, endlich selbst sprechen zu können. 

Der vierte Reiter ist Mauern. Flo zieht sich immer öfter zurück, verbringt mehr Zeit vor dem Fernseher oder in seinem Büro. Ute redet nur noch das Nötigste. Beide haben aufgehört, sich wirklich zu öffnen. Das Schweigen ist nicht mehr neutral. Es ist kalt. 

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Warum Respektlosigkeit in der Beziehung entsteht 

Respekt in der Beziehung geht selten von einem Tag auf den anderen verloren. Er erodiert. Mit jeder nicht ausgesprochenen Enttäuschung, mit jeder Frustration, die sich aufgestaut hat, mit jeder Erwartung, die nie angesprochen wurde. 

Ute erledigt seit Jahren den Grossteil des Haushalts, obwohl sie Vollzeit arbeitet. Flo fühlt sich missverstanden, weil er beruflich stark eingespannt ist und das Gefühl hat, dass Ute das nicht sieht. Früher haben sie über solche Dinge Kompromisse gefunden. Irgendwann haben sie aufgehört zu reden und angefangen zu schiessen. 

Was darunter liegt, ist fast immer dasselbe: Beide fühlen sich nicht wirklich gesehen. Beide wünschen sich Anerkennung für das, was sie leisten. Beide sind so damit beschäftigt, auf den anderen zu reagieren, dass sie vergessen haben, was sie eigentlich voneinander brauchen. 

Der Stress des Alltags tut sein Übriges. Wenn die Energie aufgebraucht ist, bleibt für die Beziehung oft nur noch das Nötigste. Die kleinen Gesten fallen weg. Die Geduld lässt nach. Was bleibt, ist ein Ton, den man sich früher nie erlaubt hätte. 

Respekt in der Beziehung zurückgewinnen: was wirklich hilft

Der Wendepunkt bei Ute und Flo kam nicht durch eine grosse Aussprache. Er kam durch einen kleinen Moment der Ehrlichkeit. Ute sagte irgendwann, nicht im Streit, sondern spät abends auf der Couch: „Ich bin so müde davon, dass wir immer so miteinander reden.“ Flo auch. 

Was geholfen hat, war zuerst zu verstehen, was hinter dem Verhalten des anderen steckt. Nicht „Er ist ein Egoist“, sondern „Er fühlt sich übersehen und weiss nicht, wie er das sagen soll.“ Nicht „Sie übertreibt“, sondern „Sie trägt zu viel alleine und ist erschöpft.“ Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Im Gefühlsleben ist es ein grosser. 

Dazu kam das bewusste Zuhören. Nicht um recht zu haben, sondern um zu verstehen. Ute hat gelernt, zu sagen was sie sich wünscht, statt was Flo falsch macht. Flo hat gelernt, nicht sofort in die Abwehr zu gehen, wenn er sich kritisiert fühlt. Keines von beidem geht von heute auf morgen. Beides ist lernbar. 

Und dann gibt es noch die Wertschätzung, die im Alltag so leicht verloren geht. Ein ehrliches Dankescön. Ein Kompliment, das nichts von einem will. Eine Umarmung, die nichts bedeutet ausser: Ich sehe dich, ich bin froh, dass du da bist. Das klingt banal. Es ist es nicht. 

Wenn ihr merkt, dass Respektlosigkeit in eurer Beziehung zum Muster geworden ist und ihr nicht wisst, wie ihr wieder zueinander findet, ist mein Kurs Raus aus dem Schweigen ein guter Einstieg. Gerade für Paare, bei denen das Schweigen und der Rückzug längst zur Gewohnheit geworden sind. 

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Zum Schluss

Respekt in der Beziehung ist keine Selbstverständlichkeit. Er braucht Aufmerksamkeit, auch nach zwanzig Jahren. Gerade nach zwanzig Jahren. 

Ute und Flo arbeiten heute noch daran. Es gibt immer noch Abende, an denen der Ton schärfer wird als nötig. Aber sie wissen jetzt, was dahintersteckt. Sie wissen, wie sie wieder aufeinander zugehen können, bevor das Schweigen zu lange dauert. 

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